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WHERE HAVE ALL THE GOOD BOOKS GONE? 2: Hans-Ulrich Treichel and some After thoughts

 

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Romanbesprechung  2 – Der Verlorene von Hans-Ulrich Treichel und einige Nachgedanken

Der Verlorene von Hans-Ulrich Treichel ist ein viel beachteter und sehr positiv aufgenommener Roman aus dem Jahre 1998.

Inhalt
Die Geschichte spielt in der deutschen Nachkriegszeit und wird aus der Sicht eines heranwachsenden Kindes erzählt, vor der Folie des „Verlorenen“, dessen Nicht-da-sein doch täglich, und minutütlich, den Alltag der gesamten Familie prägt.

Allen voran agiert die Mutter, aus deren Händen der „verlorene“ Sohn auf der Flucht in den letzten Kriegstagen vor den Russen an eine unbekannte, und nie mehr wieder gesehene, Frau ging, um diesen zu beschützen. Diese Übergabe passierte hastig, spontan-überstürzt, mit dem Ziel, dass als bedroht angesehene Kind schnell aus den „feindlichen“ Linien gebracht zu sehen.

In den Kriegs- und Nachkriegswirren gab es, bzw. konnte es keine klare, schnelle Zuordnung auseinandergerissener Verwandter und Familien geben; so erfolgten langwierige Nachforschungen und Untersuchungen, die die Betroffenen stark belasteten und häufig fruchtlos blieben. So lebt die im Roman beschriebene Familie „nur“ mit dem zweitgeborenen Sohn weiter. Die Leerstelle des ersten Kindes wird aber ständig, durch die stark traumatisierte und von Schuldgefühlen geplagte Mutter, unausgesprochen erinnert oder auch in regelmäßigen Abständen offen thematisiert.

Der Vater auf der anderen Seite agiert gegenläufig, indem er sich intensiv in Arbeit stürzt, die von nachweislichem Erfolg gekrönt ist. Stetig baut er seinen beruflichen und wirtschaftlichen Aufstieg aus und steigt zum imposanten Fleischgroßhändler auf.

Nach nervenaufreibenden, erfolglosen Nachforschungen verstirbt überraschend der Vater. Die Mutter übernimmt daraufhin, schnell flankiert durch einen neuen Lebenspartner, erfolgreich das Geschäft. Das Ende lässt den Leser/die Leserin durch seine Unnachvollziehbarkeit etwas verstört zurück, aber: Ich gebe eine Leseempfehlung.

Fazit
Der Roman bleibt die ganze Zeit über seltsam emotions- und spannungslos – dies meint allerdings nicht ‚unspannend’ – und gibt damit offenbar sehr treffend und realistisch die Stimmung und Atmosphäre (deutscher) Familien und Familiengefüge der Nachkriegszeit wieder. Dies konnte man zahlreichen Rezensionen und vielen Leserfeedbacks entnehmen. Innerfamiliäre Diskussionen und erfolgreiche Problembewältigungsstrategien scheinen fern, Konflikte werden nicht wirklich thematisiert und somit der Möglichkeit beraubt, gelöst zu werden.

Suhrkamp - Hans-Ulrich Treichel

Suhrkamp – Hans-Ulrich Treichel

Nachgedanken
Was sich mir aufgrund der letzten Entwicklungen und Ereignisse aufdrängt ist, dass sich an solch innerfamiliären Sprachlosigkeiten nicht allzu viel verändert hat.

Auch heute noch ist es in unseren Gefilden meist die (Klein-)Familie, die Menschen prägt und (hoffentlich) zu reifen Individuen werden lässt. Allerdings scheint es um die Konflikt- und Diskussionsfähigkeit häufig nicht so gut bestellt zu sein.

Fernsehdauerberieselung (oder besser YouTube ..) statt Gespräch, abgeflachte Wissensvermittlung – sowohl innerfamiliär als auch in der Schule: immer häufiger der artikulierte Wunsch, doch endlich mit dem „veralteten“ Wissenskanon zu brechen (ob von Eltern oder auch von Schülern formuliert – wir erinnern uns an die kürzlich stark rezipierte Tweetgeschichte einer Schülerin, die proklamierte, nichts womit sie wirklich etwas in der heutigen Zeit anfangen könnte – wie Versicherungen, Bankgeschäfte etc – in der Schule vermittelt zu bekommen). http://www.spiegel.de/schulspiegel/wanka-ueber-naina-schuelerin-tweet-gedichtsanalyse-oder-alltagswissen-a-1012981.html

Goethe, Schiller etc. als Relikte überkommener Wertevorstellungen? Ich weiß nicht. Ich jedenfalls habe das Eintauchen in fremde Welten mit sprachgewaltigen Bildern und Stimmungen sehr genossen. Wobei ich sagen muss, dass ich mir z.B. die ‚Leiden des jungen Werther’ oder Oscar Wilde’s ‚Dorian Gray’ abseits der Schule erschlossen habe.

Doch die Methodik der Textanalyse hat mir schon geholfen, mir andere Sichtweisen und Erlebniswelten zu erschließen und ich habe sie als

a. Anstoß für und Entwicklung der Abstraktionsfähigkeit erlebt – auch die anschließenden Diskussionen verhalfen mir dazu und

b. als weiteren Baustein für den Ausbau meines Empathievermögens. Ich denke auch nicht, dass ich das nachträglich verkläre oder mir ideologisch zurechtbiege.

Jedenfalls vertrete ich nicht die Meinung „Entweder – oder“ sondern eher „sowie als auch“. Natürlich finde ich es wichtig das Schule und schulische Inhalte auch veränderte Lebensrealitäten aufgreifen und sinnvoll vermitteln.
Auch ich hätte mir das in meiner Schulzeit (lang ist sie her ..) gewünscht.

Bisherige bildungsinhaltliche Inhalte und Themen deshalb aber einfach abzustoßen, weil sie „nichts mehr mit heute zu tun haben“, finde ich aber fragwürdig aus oben genannten Gründen.

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WHERE HAVE ALL THE GOOD BOOKS GONE? 2: Hans-Ulrich Treichel and some After Thoughts

Lost by Hans-Ulrich Treichel is a novel that was published in 1998. It has received a lot of attention and was received very positively.

Content
The story is set in Germany after World War II and it is told from the perspective of a child. The entire story is built around the “lost one” (the lost brother or son), whose non-presence makes itself felt constantly at a daily basis and affects the everyday life of the family.

A main focus of the narrative is on the mother, who gave the “lost one” to a woman she did not know to save him. She did not see her, or indeed him, ever after. All of this happened hastily and spontaneously, in the turmoil of the last days of war and on the run from the Russians.

During the war and in the confusion of the postwar years it was almost impossible to quickly track lost or displaced family members; longsome investigations and researches, often very frustrating and stressful for the protagonists, were the consequence.

So the life of the family at the heart of the novel continues “only” with the second-born son. But the void left behind by the first-born son is constantly returning to the mind of the traumatised mother who is full of feelings of guilt that are either not verbalised at all or mentioned in regular intervals.

The father behaves contrarily. He is working intensely and successfully so. His career is constantly thriving, and he eventually becomes an impressive wholesale trader for meat.

After distressful and ineffective investigations the father suddenly and unexpectedly dies. Thereupon the mother takes over the business with some success, and is quickly joined by a new life partner. The end is a bit quirky and leaves the reader behind puzzled, and yet: I recommend the novel.

Conclusion
The novel’s atmosphere remains strangely flat, devoid of any emotions – which doesn’t mean that it is boring. According to some reviews and readers’ feedback it seems to describe nearly perfectly the mood and atmosphere in many German post-war families and family structures. It seems that there was neither any kind of inner family discussion or successful problem solving strategies, nor a possibility to pick up on and verbalise conflicts so as to solve them.

Suhrkamp - Hans-Ulrich Treichel

Suhrkamp – Hans-Ulrich Treichel

After thoughts
Recent developments and events make me think that not much has changed regarding this inability of families to speak to one another.

 Now as then it is still the nuclear family which shapes the individual and (hopefully) helps him or her to become a mature person. However, in many cases the ability of families to productively cope with conflicts and discussions leaves something to be desired.

The TV (or better said YouTube) always running instead of talking to each other, shallow knowledge transfer both within the family and at school: ever and anon the call for a break with the “dated” canon of knowledge (expressed by parents and by pupils –remember the much read Tweet by a German girl criticising that she did not learn anything for life at school, such as something about insurances or banking). http://www.spiegel.de/schulspiegel/wanka-ueber-naina-schuelerin-tweet-gedichtsanalyse-oder-alltagswissen-a-1012981.html

Goethe, Schiller et al. as relicts of outdated values? I don’t know. I for one very much enjoyed immersing myself in foreign worlds, painted colourfully with intense images and with dense atmospheres. But I readily admit that I discovered “The Sorrows of Young Werther” or Oscar Wilde’s “Dorian Gray” not in the classroom but on my own.

And yet the method of text analysis has helped me gain access to the perspectives of others and different ways of experiencing, and for me it

  1. was a trigger for the development of my ability to abstract – the discussions in class helped me, too and furthermore
  2. contributed to the extension of my ability for empathy. I don’t think that I tend to glorify this in retrospect or rewrite it with an ideological motivation.

In any case I am not of the opinion „Either – or“ but, rather, „as well as“. I certainly find it important that school and its content also mirror and pick up on changes in our life’s realities and mediate them in a reasonable way.

However, I am averse to discarding parts of the curriculum simply because they have “nothing to do with our current life” due to the reasons mentioned above.

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Roman Izgubljeni od Hans-Ulrich Treichel i završne misli
Izgubljeni od Hans-Ulrich Treichel je dosta zapažen i pozitivno primljen roman iz 1998 godine.

Sadržaj
Roman se dešava u Nemačkoj u vreme posle rata i pisan je iz perspektive deteta koje se razvija, iza pozadine „Izgubljenog“. Njegov izostanak ipak utiče celo vreme na svakidašnjicu cele familije.

Pred svima je majka, koja je na kraju rata u bekstvu pred Rusima predala iz panike, da ga zaštiti, „izgubljenog“ sina u ruke jedne nepoznate žene, koju  nikada više nije videla.

Tokom ratnog haosa nije bilo moguće odvojene familije i porodice brzo sastaviti. Rezultat su bile duga izpitivanja, često mnogo mučne za svi ostali.

Tako je familija „samo“ živela sa drugo rođenim sinom. Ali gubitak prvog deteta se uvek oseća, ponekad i bez reči, ali često isto otvoreno tematizirano, od majke, koja je jako traumatizirana i sa intenzivnim osećajima krivnje.

Otac na drugoj strani deluje sasvim drugačije, on traži utehu u radu, sa uspehom, na kraju je bogat i veliki trgovac mesa.

Posle nekoliko dugih bezuspešnih i iscrpljujućih izpitivanja, on iznenadno umire. Majka preuzima onda sa uspehom trgovinu, i brzo nalazi novog partnera.

Kraj romana ostavi čitaoca stvarno zbunjenog. Ali ja mogu da preporučim knjigu.

Facit
Roman ostaje preko celog vremena čudno distanciran, bez mnogo osećaja – ali to ne znači da je dosadan. Ako se može verovati reakcijama čitalaca, Treichel dobro opisuje, baš jako realistično situaciju tih dana u Nemačkoj i tadašnjim familijama.

Diskusije ili uspešne strategije za rešavanja problema su bile daleke, o konfliktima se nije otvoreno pričalo i tako nisu mogli da se reše.

Suhrkamp - Hans-Ulrich Treichel

Suhrkamp – Hans-Ulrich Treichel

Završne misli
Šta meni dođe na pomisao kada promatram zadnje pojave i događaje, je da imam utisak da se nije puno razmenilo u primeru konflikta u familijama: svi ostaju bez reći ili bolje rečeno bez pametne reči (barem na Balkanu se znaju svađati i da se pobiju..).

I danas je kod nas ovde u našoj okolini skoro uvek nuklearna porodica (otac, majka i dete) ona koja na čoveka najviše utiče i koja ga (nadamo se) pusti da se razvije u zrelu osobu. Mada ipak često ne postoje sposobnosti da se savladaju konflikti i diskusije.

Buljenje u televiziju (ili YouTube) umesto dijaloga, plitko posredovanje znanja – i u familiji i u školi: sve česče naglašena želja, da se prekine sa “starinskim” obrazovanjem (bilo od roditelja ili učenika naglašeno – u Nemačkoj se desilo da je jedna devojka izjavila na Twitter, da sada zna da analizira pesme ali ne zna šta da radi sa parama ili sa osiguranjem). http://www.spiegel.de/schulspiegel/wanka-ueber-naina-schuelerin-tweet-gedichtsanalyse-oder-alltagswissen-a-1012981.html

Jel su Goethe, Schiller relikte starinskog veka? Ne znam. Mogu da kažem za mene da sam stvarno uživala kada sam se potopila u drugi svet sa takvim bogatim atmosferama i slikama. Pri čemu moram da kažem da sam samostalna pored škole otkrila ‚Patnje mladog Werthera’ ili ‚Dorian Gray’ od Oscar Wilda i više drugih.

Ali tekstanalitična metoda mi je pomogla da otključam druge pozicije doživljaja i viđenja. Ja sam je isto doživela kao da je

  1. inicirala i da mi je pomogla da razvijem sposobnosti da abstrahiram – i tako su isto sledeće diskusije
  2. još jedna komponenta za izgradnju moje sposobnosti za empatiju. Stavrno ne mislim da to sada sve naknadno fantaziram ili ozarivam ili ideologićno motivirano izmišljam.

Na svaki naćin nemam mišljenje „ili – ili” nego više „i – i”. Sigurno mislim da je važno da škola I školski sistem isto reflektiraju i posredovaju sadašnji svet i kako se razumno može postupiti u njemu. I ja sam to zaželela u u moje školsko vreme (koje je već dugo prošlo..).

Ali zato dosadašnje prosvetne sadržaje i teme jednostavno prekinuti, zato šta nemaju „veze” sa današnjim vremenom, mi je sumljivo.
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